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Grundlagen·10 Min Lesezeit·27. Juli 2026

KI-Agenten erklärt: die 3 Stufen und dein erster eigener Agent

Schritt-für-Schritt-Anleitung für deinen ersten KI-Agenten in Claude Cowork, plus die drei Stufen der KI-Nutzung einfach erklärt.

Stell dir vor, du wachst am Montagmorgen auf, und in deinem Postfach liegt schon ein fertiger Report. Deine Zahlen der letzten Woche, sauber ausgewertet, mit den wichtigsten Erkenntnissen und einer kurzen Zusammenfassung obendrauf. Du hast niemanden darum gebeten. Eine KI hat das über Nacht für dich erledigt, so wie jeden Montag. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Chatbot und einem KI-Agenten. Dieser Guide zeigt dir zuerst Schritt für Schritt, wie du dir so einen Agenten selbst baust, und erklärt danach die drei Stufen dahinter.

Anleitung: so baust du deinen ersten KI-Agenten

Für den ersten eigenen Agenten brauchst du keine Entwicklerumgebung und keine Zeile Code. Claude Cowork in der Desktop-App reicht dafür aus. Du beschreibst den Ablauf in normaler Sprache, Claude baut ihn zusammen und führt ihn aus. Als durchgehendes Beispiel dient hier ein Agent für einen kleinen Malerbetrieb, der jeden Montagmorgen eine Übersicht schreibt: welche Kundenanfragen letzte Woche reinkamen, welche davon noch keine Antwort haben und welche Termine in dieser Woche anstehen.

1. Such dir eine Aufgabe, die sich wiederholt. Gute Kandidaten haben klare Regeln und ein festes Ergebnis: eine Montagsübersicht aus deinem Postfach, ein wöchentlicher Report aus deinen Zahlen, das Sortieren neuer Dateien nach einem Muster, eine Zusammenfassung deiner Meeting-Notizen. Nimm für den Start genau eine davon.

2. Leg ein Projekt in Cowork an und weis ihm einen Ordner zu. Öffne die Claude Desktop-App und wechsel oben im Eingabefeld auf Cowork. Direkt darunter klickst du auf Projekt oder Ordner. Du weist dem Projekt einen Ordner auf deinem Rechner zu, in dem das Projekt arbeiten soll, auf Dateien zugreifen darf und diese auch bearbeiten kann. Leg das Projekt gleich für deinen ganzen Betrieb an statt nur für diese eine Aufgabe, dann kommen später weitere Abläufe im selben Projekt dazu.

Eingabefeld in der Claude Desktop-App, oben der Reiter Cowork, darunter die Schaltfläche Projekt oder Ordner

3. Schreib die Anweisungen. Jedes Projekt hat ein Feld Anweisungen. Claude liest es bei jeder Aufgabe in diesem Projekt automatisch mit, du musst dich also nie wiederholen. Dieser Schritt entscheidet mehr über die Qualität als alles andere. Rein gehört, wer du bist, wofür das Projekt da ist und nach welchen Regeln gearbeitet wird. Ein Beispiel zum Übernehmen und Anpassen:

Worum es geht:
In diesem Projekt läuft alles rund um meinen Malerbetrieb: Kundenanfragen,
Termine, Angebote und die Übersicht, die ich jeden Montagmorgen bekomme.

Über mich:
Ich habe einen kleinen Malerbetrieb mit drei Mitarbeitern. Ich lese die
Übersicht morgens auf dem Handy und will in zwei Minuten durch sein.

Regeln:
- Stell mir mindestens drei Rückfragen, bevor du eine größere Aufgabe startest.
- Zeig mir deinen Plan und warte auf mein Okay, bevor du anfängst.
- Schreib in Stichpunkten statt in langen Absätzen.
- Leg fertige Übersichten im Ordner "Wochenstart" ab, mit Datum im Dateinamen.
- Nenn bei jeder Anfrage den Namen des Kunden und das Datum der Mail.

Die ersten beiden Regeln sind die wichtigsten. Sie sorgen dafür, dass Claude nachfragt statt zu raten, und dass du den Plan siehst, bevor gearbeitet wird.

4. Verbinde die Konnektoren, die die Aufgabe braucht. Ein Konnektor ist die Verbindung zwischen Claude und einem deiner Programme, also zum Beispiel deinem Postfach oder deinem Kalender. Ohne diese Verbindung kann dein Agent nur mit dem arbeiten, was in seinem Ordner liegt. Du findest sie in Claude unter Anpassen → Konnektoren. Für die Montagsübersicht brauchst du Gmail und Google Kalender, die Einrichtung steht Schritt für Schritt im Guide Gmail und Google Kalender mit Claude verbinden. Verbinde dabei nur, was die Aufgabe wirklich braucht, den Rest kannst du später ergänzen.

5. Lass dir den Ablauf erst als Plan zeigen. Beschreibe in einer neuen Aufgabe, wie das Ergebnis aussehen soll, und bitte um Rückfragen und einen Plan, bevor Claude loslegt. Für das Beispiel sieht das so aus:

Ich möchte einen festen Ablauf für meine Montagsübersicht.
Du gehst mein Postfach der letzten sieben Tage durch, sammelst alle
Kundenanfragen und markierst die, auf die noch niemand geantwortet hat.
Danach listest du meine Termine der kommenden Woche aus dem Kalender.
Am Ende nennst du mir die drei Punkte, die ich heute zuerst angehen sollte.
Stell mir vorher deine Rückfragen und zeig mir deinen Plan.

Claude fragt dann nach, was ihm noch fehlt, etwa welches Postfach, welcher Kalender oder wie lang die Übersicht sein soll, und legt dir danach einen Plan vor. Du liest ihn, änderst eine Kleinigkeit, gibst ihn frei. Diese zwei Minuten Prüfung ersparen dir das Aufräumen eines halbfertigen Ergebnisses.

6. Mach aus dem Ablauf eine feste Aufgabe. Wenn das Ergebnis stimmt, hinterlegst du den Ablauf im Projekt unter Geplante Aufgaben, zum Beispiel jeden Montag um 7 Uhr. Ab diesem Moment läuft dein Agent von selbst, ohne dass du ihn startest. Über Speicher merkt sich Claude zusätzlich den Kontext aus früheren Aufgaben im Projekt und wird damit von Woche zu Woche treffsicherer.

7. Nachschärfen statt neu anfangen. Wenn in der Übersicht etwas fehlt oder zu lang ist, sagst du es einfach: "Kürz die Liste auf die fünf wichtigsten Anfragen" oder "Schreib bei jedem Termin die Adresse dazu". Claude geht ins bestehende Ergebnis und ändert nur diese Stelle. Was du dauerhaft anders haben willst, schreibst du zusätzlich ins Feld Anweisungen, dann gilt es ab der nächsten Runde automatisch.

Das ist der ganze Aufbau. Mit der Nutzung eines Agenten hast du Stufe 2 der KI-Nutzung erreicht. Wie sich die 3 Stufen voneinander unterscheiden, steht im restlichen Guide.

Warum das gerade jetzt wichtig wird

Viele Menschen haben KI bisher nur als besseren Chatpartner erlebt. Du tippst eine Frage, du bekommst eine Antwort, fertig. Das ist nützlich, aber es ist erst die erste von drei Stufen. Die anderen beiden verändern, was mit KI überhaupt möglich ist, weil die KI dann selbst handelt statt nur zu antworten. Wenn du diese drei Stufen einmal verstanden hast, erkennst du sofort, was ein Werkzeug wirklich kann, und was reines Marketing ist.

Die drei Stufen auf einen Blick

StufeWas sie macht
1. Sprachmodell (LLM)Du fragst, es antwortet. Es wartet auf jede Eingabe.
2. AgentArbeitet mit echten Werkzeugen neben dir. Du startest und prüfst.
3. Agentische KIArbeitet eigenständig in einer Schleife bis zum fertigen Ergebnis.

Stufe 1: Das Sprachmodell, du fragst und es antwortet

Auf der ersten Stufe steht das reine Sprachmodell, oft LLM genannt (kurz für Large Language Model). Dazu gehören Claude, ChatGPT und Gemini in ihrer Grundform. Du gibst etwas ein, das Modell sagt das nächste passende Wort voraus und formuliert daraus eine Antwort. Diese Modelle sind stark in allem, was mit Sprache zu tun hat: Texte schreiben, Dinge erklären, übersetzen, zusammenfassen.

Der Punkt auf dieser Stufe ist: Das Modell wartet immer auf dich. Es reagiert auf deine Eingabe und ruht danach wieder, bis du die nächste Frage stellst. Es öffnet nicht von selbst deine Tabelle, es schickt keine Mail, es passiert nichts, solange du nicht tippst. Für viele Aufgaben reicht das vollkommen, und fast alle Einsteiger starten genau hier.

Stufe 2: Der Agent, er arbeitet neben dir

Auf der zweiten Stufe bekommt das Sprachmodell echte Werkzeuge in die Hand. Genau das macht einen Agenten aus: ein Sprachmodell, verbunden mit Programmen und Daten, die es tatsächlich bedienen darf. Das kann dein Browser sein, eine Tabelle in Google Sheets, dein Notion, dein Slack oder dein Postfach.

Damit kann die KI ganze Abläufe übernehmen statt nur darüber zu reden. Sie liest eine Tabelle aus, trägt ein Ergebnis wieder ein, sucht etwas im Netz oder legt einen Entwurf in deinem Postfach ab. Zu dieser Stufe gehören Werkzeuge wie Zapier, n8n oder auch Claude Code. Du bist dabei nicht mehr in jedem einzelnen Schritt dabei, du gibst das Ziel vor und der Agent arbeitet die Zwischenschritte ab. Ganz aus der Hand gibst du es trotzdem noch nicht, denn du startest den Ablauf und schaust dir das Ergebnis an.

Stufe 3: Agentische KI, sie arbeitet ohne dich

Die dritte Stufe geht noch einen Schritt weiter. Agentische KI läuft in einer eigenen Schleife: Sie bekommt ein Ziel, plant selbst die nötigen Schritte, führt sie nacheinander aus und liefert am Ende ein fertiges Ergebnis. Du gibst eine Anweisung am Anfang, und danach braucht das System kein ständiges Nachfragen mehr.

Beispiele dafür sind die Recherche-Funktion in Claude, Gemini Deep Research oder Werkzeuge wie Manus. Wenn du in Claude eine Recherche startest, führt Claude mehrere Suchen hintereinander aus, gleicht Quellen ab und legt dir am Ende eine strukturierte Auswertung hin, ohne dass du dazwischen eingreifst. Mehr dazu steht im Guide zum Claude Research Mode.

Der Kern dieser Stufe: Das System hält den Faden selbst. Es merkt, was als Nächstes zu tun ist, und macht weiter, bis das Ziel erreicht ist.

Ein Beispiel, das du dir merken kannst

Am greifbarsten wird der Unterschied an einem echten Alltagsfall. Eine Content-Creatorin wertete jeden Montag von Hand ihre Zahlen der letzten Woche aus, rund 45 Minuten, jede Woche aufs Neue. Welcher Beitrag lief gut, welcher nicht, woran könnte es liegen. Dann baute sie sich dafür einen Agenten.

Der Ablauf sieht so aus:

  • Ein Auslöser. Jeden Montag um 9 Uhr startet der Agent von selbst. Sie muss nichts anstoßen.
  • Eine Anweisung. Der Agent bekommt eine klare Aufgabe: Nimm die Daten der letzten 28 Tage, schau auf die drei wichtigsten Kennzahlen, achte zusätzlich auf Dinge wie Format des Beitrags, verwendeter Hook und Thema, und schreib am Ende eine kurze Zusammenfassung.
  • Eine Aktion. Der fertige Report landet automatisch in ihrem Postfach und in einem Slack-Kanal, zusammen mit den Rohdaten zum Nachschauen.

Das Ergebnis ist ein Bericht, der sich jede Woche selbst schreibt, während sie schläft. Das Interessante daran: Sie hat dafür keine Zeile programmiert. Sie hat den Ablauf in normaler Sprache beschrieben, und ein eingebauter Assistent im Werkzeug hat die Teile zusammengesteckt, die Tabelle mit dem Postfach und dem Slack-Kanal verbunden und die Anweisungen daraus gebaut. So ein Agent für eine wiederkehrende Aufgabe ist heute für Einsteiger machbar, nicht nur für Entwickler.

Der Unterschied in einem Satz

Ein Agent ist reaktiv, er arbeitet an deinem Prozess mit. Agentische KI ist autonom, sie führt den Prozess selbst. Auf Stufe 2 gibst du den Takt vor und der Agent hilft dir dabei. Auf Stufe 3 übergibst du das Ziel und bekommst das Ergebnis zurück. Diese eine Unterscheidung ist der ganze Sprung, um den es gerade in der KI-Welt geht.

Worauf du achten solltest

So praktisch das klingt, ein paar Dinge solltest du beim Start beherzigen:

  • Halte einen Menschen in der Schleife. Gerade am Anfang solltest du einem neuen Agenten nicht sofort volle Freiheit geben. Lass ihn seine geplante Aktion zuerst zur Freigabe vorlegen, schau sie dir an, und gib sie erst dann frei. Genau so hat es auch die Creatorin im Beispiel gemacht, bevor der erste Report rausging.
  • Fang klein an. Ein einziger, klar umrissener Ablauf ist ein guter Einstieg. Ein wöchentlicher Report, eine automatische Ablage, eine einfache Auswertung. Baue erst weiter aus, wenn der erste Agent zuverlässig läuft.
  • Überspring das Feld Anweisungen nicht. Ohne diese Vorgaben startet Claude in jeder Aufgabe bei null und rät sich Zielgruppe, Format und Länge selbst zusammen. Die zwei Minuten, die du einmal in dieses Feld steckst, sparst du dir bei jedem weiteren Durchlauf.
  • Sei genau in der Anweisung. Je klarer du sagst, welchen Zeitraum, welche Kennzahlen und welches Format du willst, desto brauchbarer ist das Ergebnis. Die Anweisung ist das, was einen guten Agenten von einem unbrauchbaren trennt.
  • Gib nur den Zugriff, den es braucht. Verbinde einen Agenten zuerst nur mit den Daten, die für die Aufgabe nötig sind, und erweitere das erst mit der Zeit.

Häufige Fragen

Wie baue ich meinen ersten KI-Agenten? Ohne Code, in wenigen Schritten: In Claude Cowork ein Projekt anlegen und ihm einen Ordner zuweisen, im Feld Anweisungen festhalten, wer du bist und nach welchen Regeln gearbeitet wird, unter Anpassen → Konnektoren die nötigen Verbindungen wie Gmail oder Google Kalender herstellen, den Ablauf einmal als Plan vorlegen lassen und prüfen, und ihn danach unter Geplante Aufgaben auf einen festen Termin legen. Die ausführliche Anleitung mit Beispieltexten zum Übernehmen steht weiter oben auf dieser Seite.

Was ist der Unterschied zwischen einem Chatbot und einem KI-Agenten? Ein Chatbot wie Claude oder ChatGPT antwortet auf deine Eingabe und wartet danach wieder. Ein KI-Agent bekommt zusätzlich Zugriff auf echte Werkzeuge wie dein Postfach oder eine Tabelle und erledigt damit ganze Abläufe, ohne dass du jeden Schritt selbst anstößt.

Was ist agentische KI? Agentische KI ist ein System, das ein Ziel bekommt, die nötigen Schritte selbst plant und in einer Schleife abarbeitet, bis das Ergebnis fertig ist. Du gibst eine Anweisung am Anfang und bekommst am Ende ein fertiges Resultat. Ein Beispiel ist die Recherche-Funktion in Claude.

Brauche ich Programmierkenntnisse, um einen KI-Agenten zu bauen? Nein. Einen einfachen Agenten für eine wiederkehrende Aufgabe kannst du heute ohne Code aufsetzen. Du beschreibst den Ablauf in normaler Sprache, und ein eingebauter Assistent im Werkzeug verbindet die passenden Teile wie Tabelle, Postfach und Kalender miteinander.

Was bedeutet LLM? LLM steht für Large Language Model, auf Deutsch großes Sprachmodell. Das ist die Technik hinter Chatbots wie Claude, ChatGPT und Gemini. Ein LLM sagt auf Basis deiner Eingabe das nächste passende Wort voraus und formuliert daraus eine Antwort. Es ist die erste der drei Stufen.

Welche Stufe passt zu dir

Für den Alltag ist die Antwort oft einfach: Fürs Erklären, Schreiben und Nachdenken reicht Stufe 1 vollkommen, dafür brauchst du keinen Agenten. Sobald sich eine Aufgabe aber jede Woche wiederholt und immer den gleichen Ablauf hat, lohnt sich der Blick auf Stufe 2 und 3. Alles, was du regelmäßig von Hand machst und was klaren Regeln folgt, ist ein guter Kandidat für einen Agenten.

Wenn du tiefer einsteigen willst, wie du Claude eine mehrschrittige Aufgabe eigenständig durcharbeiten lässt, schau in den Guide zu /loop und /goal. Und wenn du wissen willst, wie du einem Agenten die richtige Menge Vertrauen gibst, ohne ihn ständig zu kontrollieren, hilft der Guide Claude nicht babysitten. Ganz am Anfang stehst du mit dem Claude Einsteiger-Guide.

Weitere Fachbegriffe rund um Claude und KI findest du im Glossar.

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