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Prompts·10 Min Lesezeit·19. September 2026

CLAUDE.md und Kontext-Datei: Interview-Prompt und die 4 Regeln von Boris Cherny

Was CLAUDE.md ist, wie Claude dir per Interview deine Kontext-Datei schreibt und welche vier Regeln der Erfinder von Claude Code empfiehlt. Mit Prompt zum Kopieren.

Eine Kontext-Datei ist eine Datei, in der Claude alles Wichtige über dich und deine Arbeitsweise findet. In Claude Code heißt sie CLAUDE.md. Claude liest sie bei jedem Start und weiß damit schon, wie Claude mit dir arbeiten soll, bevor du etwas gesagt hast. Selbst schreiben kostet Zeit, und leicht vergisst man dabei etwas Wichtiges. Der Interview-Prompt löst das anders: Du beantwortest 40 Fragen, eine nach der anderen, und Claude baut dir am Ende direkt die fertige Datei daraus. Danach ergänzt du sie um vier Arbeitsregeln, die auf Boris Cherny zurückgehen, den Erfinder von Claude Code bei Anthropic.

Was ist CLAUDE.md?

CLAUDE.md ist im Grunde eine Gedächtnisdatei für Claude Code, also die Version von Claude, die im Terminal oder in der Desktop-App direkt in deinen Projektordnern arbeitet.

Du kennst das vom Handy: Du stellst dein iPhone einmal so ein, dass jeden Morgen um sieben der Wecker klingelt, und wählst ein Hintergrundbild aus. Danach musst du das nicht jeden Tag neu machen. Genauso legst du in CLAUDE.md einmal Regeln und Vorlieben fest.

Claude liest die Datei jedes Mal, wenn du eine neue Sitzung startest. Dadurch weiß Claude schon, wie Claude mit dir arbeiten soll, bevor du auch nur ein Wort geschrieben hast. Die Datei ist eine ganz normale Textdatei im Markdown-Format, also mit einfachen Zeichen für Überschriften und Aufzählungen.

Im normalen Claude-Chat und in Cowork gibt es keine CLAUDE.md, dort übernehmen andere Stellen dieselbe Aufgabe. Welche das sind, steht weiter unten unter "Wo die Datei hinkommt".

Was gehört in die Datei?

Eine einzige richtige Antwort gibt es nicht. Was hineingehört, hängt von deinem Projekt ab und davon, wie du arbeitest. Zwei Dinge sind aber fast immer sinnvoll: was Claude über dich wissen muss, also wer du bist, wie du arbeitest und schreibst, und wie Claude arbeiten soll, also feste Regeln für jede Aufgabe. Das Erste erledigt das Interview unten. Für das Zweite gibt es die vier Regeln von Boris Cherny weiter unten auf dieser Seite.

Anthropic empfiehlt, die Datei kurz zu halten, möglichst unter 200 Zeilen. Eine lange Datei wird zwar vollständig gelesen, aber Claude hält sich dann weniger zuverlässig an jede einzelne Regel.

Warum ein Interview statt selbst schreiben

Bei einer selbst geschriebenen Kontext-Datei fehlt oft genau das, was später den Unterschied macht: wie du Entscheidungen triffst, was du niemals willst, wie ein gutes Ergebnis für dich aussieht. Im Interview fragt Claude das gezielt ab, Bereich für Bereich, und du musst dir vorher keine Struktur überlegen.

Was das Interview abdeckt

  • wer du bist und für wen du arbeitest
  • wie du arbeitest und welche Tools du täglich nutzt
  • wie du schreibst, was du nie sagst und was typisch für dich ist
  • was du von Claude brauchst und was Claude niemals tun soll
  • was gute Arbeit für dich bedeutet und wie ein guter Output aussieht

So gehst du vor

  1. Kopiere den Prompt unten komplett.
  2. Öffne einen neuen Claude-Chat außerhalb deines Projekts.
  3. Füge den Prompt ein und starte das Interview. Claude stellt dir eine Frage nach der anderen.
  4. Sind alle 40 Fragen beantwortet, erstellt Claude automatisch die Markdown-Datei.
  5. Lade diese Datei in dein Claude-Projekt hoch. Ab sofort kennt Claude dich.

Der Prompt zum Kopieren

Du führst ein strukturiertes Interview mit mir, um eine persönliche Kontext-Datei zu erstellen. Diese Datei werde ich am Ende in meinem Claude-Projekt hinterlegen, damit du mich bei jeder neuen Unterhaltung direkt kennst, ohne dass ich mich jedes Mal neu erklären muss.

Das Interview funktioniert so:
- Du stellst mir immer genau eine Frage auf einmal.
- Du wartest auf meine Antwort, bevor du die nächste Frage stellst.
- Wenn meine Antwort zu vage ist, hakst du einmal nach und bittest um ein konkretes Beispiel.
- Du fragst nicht mehrere Dinge gleichzeitig.
- Du kommentierst meine Antworten nicht ausführlich, sondern bestätigst kurz und gehst weiter.
- Gesamtzahl der Fragen: 40.
- Am Ende erstellst du eine vollständige Markdown-Datei mit allem was du erfahren hast.

BEREICH 1: WER ICH BIN (Fragen 1–6)
1. Wie heißt du, und womit verdienst du dein Geld?
2. Für wen arbeitest du oder mit wem arbeitest du zusammen? Wer ist deine Zielgruppe?
3. Was ist das eine Ding, das dich in deinem Bereich auszeichnet?
4. Was ist deine größte Baustelle gerade?
5. Was motiviert dich wirklich bei dem was du tust? Nicht die Antwort die du geben würdest wenn jemand zuschaut, sondern die echte.
6. Gibt es etwas das du über dich weißt, das andere oft falsch einschätzen?

BEREICH 2: WIE ICH ARBEITE (Fragen 7–13)
7. Was sind die drei Aufgaben die du am häufigsten mit Claude erledigst?
8. Womit arbeitest du täglich? Welche Tools, Plattformen, Programme?
9. In welchen Themenfeldern oder Branchen bewegst du dich? Welche Fachbegriffe gehören zu deinem Alltag?
10. Wie entwickelst du Ideen? Brauchst du Optionen zum Auswählen, oder willst du eine klare Empfehlung?
11. Wie triffst du Entscheidungen? Eher schnell aus dem Bauch oder langsam und durchdacht?
12. Arbeitest du lieber in einem Rutsch durch, oder in kurzen Blöcken?
13. Hast du bestimmte Abläufe oder Strukturen bei denen du immer gleich vorgehst?

BEREICH 3: WIE ICH KOMMUNIZIERE UND SCHREIBE (Fragen 14–23)
14. Duzt oder siezt du in deinen Texten? Und wie soll Claude mit dir reden?
15. Wie würdest du deinen eigenen Schreibstil beschreiben?
16. Schreib mir spontan zwei oder drei Sätze über irgendetwas das dir gerade durch den Kopf geht. Einfach drauflos, nicht nachdenken.
17. Welche Wörter oder Formulierungen gehen bei dir gar nicht? Sowohl in deinen eigenen Texten als auch in dem was Claude produziert.
18. Gibt es Wörter oder Sätze die typisch für dich sind und die du immer wieder benutzt?
19. Wie lang sollen Sätze bei dir sein? Eher kurz und knapp, oder darf es auch mal länger werden?
20. Schreibst du mit oder ohne Ausrufezeichen, Emojis, Gedankenstrichen?
21. Was magst du an Texten von anderen die du liest? Was fällt dir positiv auf?
22. Was nervt dich sofort wenn du einen Text liest?
23. Wenn du jemandem etwas erklärst: eher viele Details oder lieber das Wesentliche knapp?

BEREICH 4: WAS ICH VON CLAUDE BRAUCHE (Fragen 24–33)
24. Was hat Claude bisher wirklich gut für dich gemacht? Nenn ein konkretes Beispiel.
25. Was hat Claude bisher schlecht gemacht oder was hat dich gestört? Nenn ein konkretes Beispiel.
26. Was soll Claude niemals tun, auch wenn du es vielleicht selbst nicht direkt sagst?
27. Soll Claude widersprechen wenn er denkt dass etwas nicht stimmt? Oder lieber Optionen zeigen ohne zu werten?
28. Magst du kurze knappe Antworten oder ausführliche Erklärungen?
29. Willst du immer wissen warum Claude etwas so macht wie er es macht, oder reicht dir das Ergebnis?
30. Wie soll Claude reagieren wenn du mit einem Ergebnis nicht zufrieden bist?
31. Gibt es ein Format oder eine Struktur bei der du denkst "so will ich das immer haben"? Zum Beispiel mit Listen, mit Überschriften, als Fließtext?
32. Gibt es Themen oder Bereiche bei denen du willst dass Claude besonders vorsichtig ist oder nachfragt bevor er loslegt?
33. Was ist der Unterschied zwischen einer Antwort die dir hilft und einer die du einfach weiterklickst?

BEREICH 5: WAS GUTE ARBEIT FÜR MICH BEDEUTET (Fragen 34–40)
34. Wann bist du mit einem Text, einem Ergebnis oder einem Projekt wirklich zufrieden? Was muss stimmen?
35. Was ist das schlechteste Ergebnis das du je von einem KI-Tool bekommen hast? Was war konkret falsch daran?
36. Nenn mir das beste Ergebnis das du je von einem KI-Tool bekommen hast. Was hat es so gut gemacht?
37. Was unterscheidet für dich einen mittelmäßigen Output von einem guten?
38. Gibt es einen Output-Typ bei dem Claude immer einen zweiten Entwurf liefern soll, damit du auswählen kannst?
39. Wie viel Eigeninitiative soll Claude zeigen? Soll er Vorschläge machen die du nicht explizit angefragt hast, oder lieber nur das tun was du sagst?
40. Zum Abschluss: Was soll Claude über dich wissen, das ich bis jetzt noch nicht gefragt habe?

Wenn du alle 40 Fragen gestellt und meine Antworten bekommen hast, erstellst du ohne Kommentar direkt eine vollständige Markdown-Datei mit folgendem Aufbau:

# Mein persönlicher Kontext

## Wer ich bin
## Wie ich arbeite
## Mein Schreib- und Kommunikationsstil
## Wie Claude mit mir arbeiten soll
## Was gute Arbeit für mich bedeutet
## Feste Regeln für jeden Output

Die Datei soll so geschrieben sein als würde ich sie selbst über mich schreiben. Kein Bericht über mich, sondern direkte Informationen für Claude. Klar, konkret, kein Fülltext.

Fang jetzt an. Stelle mir Frage 1.

Die vier Regeln von Boris Cherny

Boris Cherny hat Claude Code bei Anthropic erfunden. Auf Threads hat er beschrieben, wie er und sein Team mit Claude Code arbeiten. Jemand aus der Community hat diese Beiträge danach in eine fertige, strukturierte Markdown-Datei übertragen, die du in deinem eigenen Projekt verwenden kannst. Die Datei stammt also nicht wörtlich von Cherny, fasst aber seine Empfehlungen zusammen. Das sind die vier Kernregeln.

1. Erst planen, dann ausführen

Diese Regel sagt Claude, dass Claude bei jeder Aufgabe, die mehr als ein paar Handgriffe braucht, zuerst einen Plan macht. Statt sofort loszulegen, hält Claude an, beschreibt das Vorgehen und fängt erst an, wenn der Plan passt. Läuft unterwegs etwas schief, plant Claude neu, statt mit einem schlechten Ansatz einfach weiterzumachen.

2. Teilaufgaben an Subagenten abgeben

Das ist so, als würdest du Küchenpersonal einstellen, statt das komplette Menü allein zu kochen. Subagenten sind Helfer, die Claude für eine abgegrenzte Teilaufgabe losschickt. Die Regel sagt Claude, solche Helfer zu nutzen, damit das Hauptgespräch übersichtlich bleibt.

Muss Claude also etwas recherchieren oder viele Dateien durchsuchen, erledigt das ein Subagent in seinem eigenen Arbeitsbereich und bringt nur das Ergebnis zurück. Dein Hauptgespräch wird dadurch nicht mit Zwischenschritten vollgestopft, und im Kontextfenster (dem Arbeitsgedächtnis von Claude für die laufende Sitzung) bleibt Platz für das Wesentliche.

3. Aus Korrekturen lernen

Hier fängt Claude an, sich wie deine beste Mitarbeiterin oder dein bester Mitarbeiter zu verhalten. Jedes Mal, wenn du Claude korrigierst, trägt Claude die Lektion in eine eigene Datei ein, zum Beispiel tasks/lessons.md. So passiert derselbe Fehler kein zweites Mal. Zu Beginn einer neuen Sitzung schaut Claude in diese Datei.

Cherny beschreibt das selbst so: Nach jeder Korrektur sagt er Claude, die Regeln so zu ergänzen, dass der Fehler nicht wieder vorkommt. Claude sei erstaunlich gut darin, sich selbst Regeln zu schreiben.

4. Erst prüfen, dann fertig melden

Claude meldet eine Aufgabe nie als erledigt, ohne gezeigt zu haben, dass es funktioniert. Claude lässt Tests laufen, schaut in die Protokolle und stellt sich eine Frage: Würde eine erfahrene Entwicklerin oder ein erfahrener Entwickler das so abnehmen?

Diese Regel hält Cherny für die wichtigste. Kann Claude die eigene Arbeit überprüfen, wird das Ergebnis laut ihm zwei- bis dreimal so gut.

So kommen die Regeln in deine Datei

Du musst nichts abtippen. Mach einen Screenshot von den vier Regeln oben, zieh ihn in Claude hinein und schreib dazu: "Ergänze meine CLAUDE.md um diese Regeln." Oder du kopierst diesen Block und hängst ihn unten an die Datei aus dem Interview an:

## Arbeitsweise

### 1. Erst planen, dann ausführen
- Bei jeder Aufgabe mit mehr als drei Schritten zuerst einen Plan machen und ihn mir zeigen.
- Läuft etwas schief: anhalten und neu planen, nicht einfach weitermachen.

### 2. Teilaufgaben an Subagenten abgeben
- Recherche und das Durchsuchen vieler Dateien an Subagenten abgeben.
- Pro Subagent nur eine klar abgegrenzte Aufgabe.

### 3. Aus Korrekturen lernen
- Nach jeder Korrektur von mir die Lektion in tasks/lessons.md eintragen.
- Zu Beginn jeder Sitzung tasks/lessons.md lesen.

### 4. Erst prüfen, dann fertig melden
- Nichts als erledigt melden, ohne gezeigt zu haben, dass es funktioniert.
- Tests laufen lassen, Protokolle prüfen, Ergebnis vorführen.

Regel 2 und 3 brauchen Claude Code, weil dort Subagenten und eigene Dateien zur Verfügung stehen. Regel 1 und 4 funktionieren überall, auch im Chat: "Zeig mir erst deinen Plan" und "Prüf dein Ergebnis, bevor du es mir gibst" helfen bei einer Präsentation oder einer Tabelle genauso wie bei Programmcode.

Wo die Datei hinkommt

  • Claude Code: Die Datei heißt CLAUDE.md und liegt im Hauptordner deines Projekts. Eine zweite, persönliche CLAUDE.md im Ordner .claude in deinem Benutzerverzeichnis gilt für alle Projekte.
  • Claude-Chat, Projekt: Lade die Datei in ein Projekt hoch oder füge den Inhalt in die Projekt-Anweisungen ein. Sie gilt dann für jedes Gespräch in diesem Projekt.
  • Claude-Chat, alle Gespräche: Das Wichtigste über dich passt in Einstellungen → Allgemein → Anweisungen für Claude. Wie du das Feld sinnvoll füllst, steht im Guide Claude auf deinen Stil einstellen.
  • Cowork mit einem Ordner: Arbeitest du in der Desktop-App mit einem Ordner auf deinem Rechner, kannst du Vorgaben für genau diesen Ordner hinterlegen. Laut Anthropic ergänzt Claude diese Ordner-Anweisungen auch selbst, während Claude arbeitet.

Häufige Fragen

Was ist CLAUDE.md? CLAUDE.md ist eine Textdatei im Hauptordner eines Projekts, in der Regeln und Vorlieben für Claude Code stehen. Claude liest sie bei jedem Start einer Sitzung automatisch.

Wer ist Boris Cherny? Boris Cherny hat Claude Code bei Anthropic entwickelt. Er teilt regelmäßig, wie sein Team mit Claude Code arbeitet, unter anderem auf Threads.

Brauche ich Programmierkenntnisse für CLAUDE.md? Nein. Die Datei ist normaler Text. Mit dem Interview-Prompt schreibt Claude sie sogar für dich.

Gibt es CLAUDE.md auch im normalen Claude-Chat? Nein. Im Chat übernehmen die Projekt-Anweisungen und die Anweisungen für Claude dieselbe Aufgabe, in Cowork zusätzlich die Ordner-Anweisungen.

Was als Nächstes kommt

Warum eine eigene Kontext-Datei überhaupt wichtiger ist als das jeweils neueste Modell, und wie du sie dauerhaft anbieterunabhängig hältst, steht im Guide zu Portable Context.

Zurück zu den Grundlagen geht es im Claude Einsteiger-Guide.

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