Open Source vs. Open Weight vs. Closed Source
Open Source, Open Weight und Closed Source bei KI-Modellen im Unterschied, nach der offiziellen Definition der Open Source Initiative, mit Meta Llama als Beispiel.
KI-Modelle werden oft als "Open Source" beworben, obwohl sie es nach der offiziellen Definition gar nicht sind. Der Grund dafür ist meistens derselbe Begriff mit zwei verschiedenen Bedeutungen: Open Source und Open Weight. Beide klingen ähnlich, meinen aber etwas anderes.
Die drei Kategorien im Überblick
Closed Source bedeutet: Der Quellcode ist privat, niemand außerhalb des Unternehmens sieht ihn. Zugriff auf das Modell gibt es fast immer nur als Dienst oder über eine API, meist gegen Bezahlung. Claude, ChatGPT und Gemini laufen alle so.
Open Source kommt ursprünglich aus der Softwarewelt der 1980er-Jahre. Eine Bewegung setzte sich damals dafür ein, dass Code für alle einsehbar, veränderbar und teilbar sein sollte. 1991 erschien mit Linux ein komplettes, freies Betriebssystem, heute die Grundlage für die meisten Server, Android-Smartphones und viele Smart-TVs. 1998 wurde die Open Source Initiative gegründet. Sie legt fest, welche Softwarelizenz wirklich als Open Source gilt: Die Lizenz muss es erlauben, den Code zu nutzen, zu verändern und weiterzugeben, ohne dafür um Erlaubnis fragen zu müssen. Firefox und WordPress sind bekannte Beispiele.
Open Weight ist ein neuerer Begriff speziell für KI-Modelle. Er beschreibt Modelle, bei denen die Gewichte (die trainierten Parameter, die das Verhalten des Modells bestimmen) frei heruntergeladen werden können, oft zusammen mit dem Code, der nötig ist, um das Modell überhaupt laufen zu lassen. Was in der Regel fehlt: nachvollziehbare Informationen darüber, mit welchen Daten das Modell trainiert wurde.
Im Vergleich sieht das so aus:
| Code offen | Gewichte offen | Trainingsdaten-Information offen | Beispiel | |
|---|---|---|---|---|
| Closed Source | Nein | Nein | Nein | Claude, ChatGPT, Gemini |
| Open Weight | Meist ja | Ja | Nein | Meta Llama |
| Open Source AI (nach OSAID) | Ja | Ja | Ja | z. B. Modelle von AI2 (Allen Institute for AI) |
Die offizielle Definition für KI-Modelle
Weil der Begriff "Open Source" bei KI-Modellen unterschiedlich verwendet wurde, hat die Open Source Initiative am 28. Oktober 2024 eine eigene Definition veröffentlicht: die Open Source AI Definition (OSAID), aktuell in Version 1.0.
Sie verlangt vier Freiheiten: das System für jeden Zweck nutzen zu dürfen, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen; zu untersuchen, wie es funktioniert; es für jeden Zweck zu verändern; und es mit oder ohne Änderungen weiterzugeben.
Um diese Freiheiten in der Praxis nutzbar zu machen, verlangt die OSAID zusätzlich drei konkrete Bestandteile:
- Data Information: ausreichend detaillierte Informationen über die Trainingsdaten, damit eine fachkundige Person ein im Wesentlichen gleichwertiges System nachbauen könnte. Das schließt Herkunft, Umfang, Beschaffung und Aufbereitung der Daten ein, auch wenn die Rohdaten selbst aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werden können.
- Code: der vollständige Quellcode, mit dem das System trainiert und betrieben wird.
- Parameters (Weights): die Modell-Gewichte selbst.
Ein KI-Modell gilt nach der OSAID nur dann als Open Source, wenn alle drei Bestandteile unter einer von der OSI anerkannten Lizenz verfügbar sind. Genau an Punkt eins, der Transparenz über die Trainingsdaten, scheitern die meisten Modelle, die als "offen" vermarktet werden. Sie veröffentlichen Code und Gewichte, aber nicht, womit sie trainiert wurden. Nach der OSAID sind das Open-Weight-Modelle, keine Open-Source-Modelle.
Warum Meta Llama kein Beispiel für Open Source ist
Metas Llama-Modelle werden oft als Open Source bezeichnet, erfüllen die Definition aber aus einem zweiten Grund nicht: der Lizenz selbst. Im Lizenztext von Llama 3.1 heißt es wörtlich, eine gesonderte Lizenz von Meta ist nötig, wenn "the monthly active users of the products or services made available by or for Licensee, or Licensee's affiliates, is greater than 700 million monthly active users" im Monat vor dem Veröffentlichungsdatum. Übersetzt: Unternehmen mit mehr als 700 Millionen monatlich aktiven Nutzern dürfen Llama nicht ohne gesonderte Erlaubnis von Meta einsetzen.
Das widerspricht der ersten der vier OSAID-Freiheiten, nämlich dem System für jeden Zweck nutzen zu dürfen, ohne um Erlaubnis fragen zu müssen. Eine Lizenz mit einer solchen Nutzungsbeschränkung gilt deshalb nicht als Open Source, unabhängig davon, ob Code und Gewichte frei verfügbar sind.
Was das für dich als Nutzerin oder Nutzer bedeutet
Offene KI-Modelle sind kein Alles-oder-nichts, sondern eine Bandbreite. Am einen Ende stehen vollständig geschlossene Modelle wie Claude, ChatGPT oder Gemini, die nur über eine API oder Oberfläche zugänglich sind. Am anderen Ende stehen wenige Labore, die tatsächlich alles offenlegen, inklusive Trainingsdaten, Trainingscode und Auswertungsprotokollen. Dazwischen liegen die meisten Open-Weight-Modelle.
Auch bei Open-Weight-Modellen unterscheiden sich die Lizenzen stark: Manche erlauben nur Forschung, andere auch kommerzielle Nutzung. Wer ein Modell nur lokal auf dem eigenen Rechner laufen lassen will, ohne es weiterzuverbreiten oder gewerblich einzusetzen, muss sich um diese Lizenzunterschiede in der Praxis meist am wenigsten kümmern.
Und ein offen verfügbares Modell ist nicht automatisch kostenlos im Betrieb: Die Modelldatei selbst herunterzuladen kostet nichts, aber sie tatsächlich laufen zu lassen braucht Rechenleistung, die schnell teuer wird. Deshalb zahlen viele trotzdem für einen Hosting-Dienst oder eine API, auch bei einem Modell, dessen Gewichte offen sind.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Open Source und Open Weight bei KI? Open Source verlangt nach der offiziellen Definition (OSAID) drei Dinge: den Code, die Gewichte und ausreichend Information über die Trainingsdaten. Open Weight bedeutet nur, dass die Gewichte (und meist der Code) frei verfügbar sind, die Trainingsdaten-Transparenz aber fehlt.
Ist Meta Llama Open Source? Nein, nach der Open Source AI Definition nicht. Zum einen fehlt die Transparenz über die Trainingsdaten, zum anderen verlangt die Lizenz von Unternehmen mit mehr als 700 Millionen monatlich aktiven Nutzern eine gesonderte Erlaubnis von Meta.
Ist Claude Open Source oder Closed Source? Claude ist Closed Source. Der Code und die Modell-Gewichte sind nicht öffentlich, Zugriff gibt es nur über die Claude-Oberfläche oder die API.
Ist ein Open-Weight-Modell kostenlos? Die Modelldatei selbst lässt sich meist kostenlos herunterladen. Das Betreiben des Modells braucht aber Rechenleistung, die je nach Modellgröße schnell teuer wird, deshalb zahlen viele für Hosting oder eine API.
Wer entscheidet, was als Open Source gilt? Bei Software allgemein die Open Source Initiative (OSI), gegründet 1998. Bei KI-Modellen legt dieselbe Organisation seit Oktober 2024 mit der Open Source AI Definition (OSAID) fest, welche zusätzlichen Anforderungen gelten.
Weitere Fachbegriffe rund um Claude und KI findest du im Glossar.
Quellen
Mein Claude-Kurs kommt bald
Trag dich auf die Warteliste ein und ich schreibe dir, sobald du dich anmelden kannst.